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Ein Meer von Müll (09.11.2011)

Aussichtloser Kampf oder Licht am Horizont?
Kim Cornelius Detloff, Meeresbiologe und Referent für Meeresschutz beim NABU

Plastikabfall ist eine ernste Gefahr für die Meere. Riesige Müllstrudel treiben durch die Ozeane, Meerestiere verfangen sich in alten Netzen, fressen Plastik, ersticken daran oder verhungern mit vollem Magen. Mikroskopisch kleine Plastikpartikel fluten das endlose marine Nahrungsnetz und längst sind auch Muscheln und Fische belastet. Ertrinkt unser blauer Planet in einem Meer von Müll?

Abfälle im Meer und ihre ökologischen Auswirkungen auf die sensiblen marinen Lebensgemeinschaften wurden lange Zeit vernachlässigt. Zu groß ist die Zahl der in der Regel menschgemachten Bedrohungen für das Leben im Meer. Lange Zeit standen die Ozeanerwärmung, die Überfischung oder auch Schad- und Nährstoffeinträge mehr im Fokus von Wissenschaft und Politik, als es die Gefahr durch den Mülleintrag war. Seit ein paar Jahren aber scheint sich diese Wahrnehmung zu ändern. Und im Jahr 2010 konstatierten WissenschaftlerInnen im renommierten Magazin Science, dass Plastikabfälle heute vermutlich zu einer der größten Bedrohungen für unsere Meere geworden sind.

Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) landen weltweit jedes Jahr mehr als 6,4 Millionen Tonnen Abfälle im Meer, bis zu 80 Prozent davon stammen von Land (UNEP 2009). Durchschnittlich 18.000 Plastikteile treiben inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Und selbst in den entlegensten Meeresregionen finden wir die Überreste unserer Zivilisation. Ganz oben auf der Liste der häufigsten Fundstücke stehen dabei Zigarettenfilter, Plastiktüten und Plastikflaschen. Hydrografische Wirbel in den Ozeanen konzentrieren die Abfälle in riesigen Müllstrudeln. Deren bekanntester Vertreter, der "Global Pacific Garbage Patch" im Nordpazifik, hat inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht. Dabei ist das, was wir sehen, nur die Spitze des Eisbergs. 70 Prozent der Abfälle sinken je nach Dichte und Gewicht mehr oder weniger schnell ab und sammeln sich am Meeresboden, nur 15 Prozent treiben an der Wasseroberfläche und 15 Prozent werden irgendwann an die Küsten gespült. Die Herkunft des Mülls variiert dabei zwischen den unterschiedlichen Meeresregionen. Während vor Australien oder im Roten Meer bis zu 80 Prozent der Abfälle von Land kommen, sind in der südlichen Nordsee die Seeschifffahrt und die Fischerei Hauptverursacher (UBA 2010). Hinzu kommen eine Vielzahl diffuser Quellen, Müll von Ölplattformen und Aquakulturanlagen oder auch illegale Einleitungen.
 
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