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Neuerscheinung der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle (20.12.2013)

E. G. Jacoby: Die moderne Gesellschaft im sozialwissenschaftlichen Denken von Ferdinand Tönnies. München, Wien: Profil 2013 (= Tönnies im Gespräch. Schriftenreihe der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt Bd. 5)

Das Lebenswerk des Ferdinand Tönnies, der neben Max Weber und Georg Simmel zu den Begründern der Soziologie in Deutschland zählt, insbesondere seine Monographie „Gemeinschaft und Gesellschaft“, die Weltgeltung erlangte, gilt als nicht leicht zu lesen. Obwohl in jüngster Zeit mehrere Monographien zu dessen Leben und Werk erschienen sind, ist Jacobys Einführung nach wie vor unbestritten der Klassiker der Tönnies-Literatur, die dessen Werk auf für Nicht-SoziologInnen zugänglich macht. Allerdings war sie seit 40 Jahren vergriffen. Die von der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle in Angriff genommene Neuauflage liegt jetzt mit einem ergänzenden Nachwort vor.

Bereits 1991 hatte Lars Clausen, langjähriger Präsident der Kieler Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft und Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie von 1991 bis 1992 für eine Neuauflage des „Jacoby“ plädiert: „Seine von allen Tönnies-Forschern hoch geachtete intellektuelle Monographie »Die moderne Gesellschaft im sozialwissenschaftlichen Denken von Ferdinand Tönnies« von 1971, nach wie vor das Standard-Werk der Tönnies-Forschung, ist längst vergriffen und wurde niemals wieder aufgelegt, steht also der Forschung und vor allem den Studierenden kaum mehr zur Verfügung. Und dabei hatte schon der gründliche Jacoby gerade den Vorurteilen über den angeblichen Gemeinschaftsapologeten Tönnies jeden Boden entzogen, weil er genau und ausführlich die methodischen Grundlagen und Problemstellungen des Tönnies‘schen Werkes und seine Entwicklung erläuterte.“

Eduard Georg Jacoby, 1904 in Breslau geboren, Absolvent der Kieler Gelehrtenschule, Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Freiburg und Berlin, von Tönnies für die Soziologie gewonnen, wurde nicht nur dessen Forschungsassistent, sondern blieb ihm in tiefer Freundschaft zeitlebens verbunden. Er emigrierte 1938 über England nach Neuseeland, wurde dort zum obersten Forschungsbeauftragten des Department of Education ernannt, eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung 1969 innehatte. Die Prognosetechniken, die er in dieser Zeit entwickelte, wurden von der UNESCO übernommen. Jacoby war Vorsitzender der Abteilung für Sozialwissenschaften der Royal Society of New Zealand und Präsident der Goethe-Gesellschaft in Wellington. Der von der neuseeländischen Goethe-Gesellschaft alljährlich verliehene Jacoby-Preis erinnert an seine Verdienste, die er sich um das Kulturleben Neuseelands erwarb. 1978 erlag Eduard Georg Jacoby während eines Aufenthaltes auf den Fidschi-Inseln einem Herzversagen.

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