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Von Lust und Frust des transdisziplinären Forschens (31.05.2011)

„Transdiziplinäre Forschung hat schon ihre Tücken“, schmunzelt Sandra Karner vom IFZ und erinnert sich an das abgeschlossene FAAN-Projekt, bei dem zusammen mit NGOs, Bauern/Bäuerinnen, BeraterInnen und PolitikerInnen Konzepte für nachhaltige Lebensmittelversorgung untersucht wurden.




"Wir hatten früh im Projekt Diskussionen darüber, ob unser Ansatz ausreichend wissenschaftlich sei, während die PraxispartnerInnen darauf hinwiesen, dass das Projekt keinesfalls eine ‚akademische Übung’ sein dürfe.“, berichtet Karner.

Genau diese Problematik – dass Integration auf vielen Ebenen gleichzeitig zu leisten ist – brachte Irmgard Schultz vom ISOE bei ihrem Keynote-Vortrag im Rahmen der 10th IAS-STS Conference on “Critical Issues in Science and Technology Studies” auf den Punkt.


Wie bringt man alles unter einen Hut?

Transdisziplinäre Forschung greift reale Problemstellungen auf, die stark von Unsicherheiten und Nichtwissen geprägt sind. Bei der Lösung wirken ExpertInnen verschiedener Disziplinen und der Praxis zusammen. WissenschafterInnen stehen dabei vor der Herausforderung sowohl praktische gesellschaftliche Lösungen als auch wissenschaftsinterne Lösungen (z. B. neue wissenschaftliche Fragestellungen formulieren) zu finden. Oft bleibt dabei eine Anforderung im Hintertreffen, z. B. wenn wissenschaftliche Publikationen zugunsten von Praxisleitfäden zurückgestellt werden müssen oder umgekehrt.

Auch bei FAAN gab es unterschiedliche Ansprüche von PraxispartnerInnen und ForscherInnen im Bezug auf Projektergebnisse. „Weniger was die Form der Projekt-Outputs anbelangt, sondern vielmehr wie schnell Ergebnisse vorliegen sollten. Für die PraxispartnerInnen war wichtig, während der gesamten Projektlaufzeit Zwischenergebnisse für politische Interventionen zu nutzen. Akademisch verwertbare Publikationen entstanden erst gegen Projektende bzw. überhaupt erst danach.“, berichtet Karner. 


Vorteil: Praxisnahe Lösungen

Trotz der hohen Anforderungen birgt ein transdisziplinärer Forschungsansatz den Vorteil praxisnaher Lösungen, den Ulrike Seebacher vom IFZ am Beispiel des Projektes Nachhaltig Handeln im beruflichen und privaten Alltag so erläutert: „Durch die Zusammenarbeit mit den Partner-Unternehmen wurden praxistaugliche Unterstützungsmöglichkeiten gefunden, damit MitarbeiterInnen ihren Alltag zufrieden, gesund und umweltbewusst bewältigen. Dadurch konnte die Lücke zwischen betrieblicher Gesundheitsförderung und Umweltschutz im Betrieb nicht nur konzeptionell geschlossen werden.“

Letztlich hängt der Erfolg von transdisziplinärer Forschung von den passenden transdisziplinären Methoden und einem integrierenden Forschungsdesign ab. So ist z. B. eine klare Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Partnern wichtig, ebenso wie ein umsichtiges Management, Reflexionsphasen für das Adaptieren von Zwischenzielen und geeignete Integrationsmethoden für die kognitive, soziale, kommunikative und technische Integration entlang des gesamten Forschungsprozesses.


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