Entwicklung des sozialen Gärtnerns in Graz: Ausrichtungen und der Bezug zur Ernährungsgerechtigkeit

Im Rahmen des Projekts untersucht das IFZ, ob und inwiefern soziales bzw. gemeinschaftliches Gärtnern zur Ernährungsgerechtigkeit (Food Justice) beitragen kann, d. h. wie vor allem gesellschaftlich stigmatisierte Menschen ihren Zugang zu und Konsum von gesunden Lebensmitteln (= nachhaltig produzierte Lebensmittel, ausgewogene, “gesunde” Ernährung) verbessern können bzw. dieser verbessert werden kann.

Auftraggeber

Stadt Graz – Kulturamt, Wissenschaftsförderung

Laufzeit

2021-2022

Projektbericht

Soziales Gärtnern als Praxis hat sich in vielen Bereichen der selbstorganisierten oder betreuten Gemeinwesenarbeit bewährt und ist Bestandteil einer nachhaltigen, smarten Stadtentwicklung. Im Rahmen einer Vorabexploration im Zuge des Food Lab Graz wurde festgestellt, dass Potentiale für das soziale Gärtnern in Graz derzeit nicht voll ausgeschöpft werden (können). Vor diesem Hintergrund zielt dieses Forschungsprojekt auf eine umfassende Bestandsaufnahme des sozialen Gärtnerns in Graz ab. Das soziale Gärtnern (im städtischen Kontext als Teil des urbanen Gärtnerns) tritt hauptsächlich in Form von Gemeinschaftsgärten auf, hat aber auch in der Gemeinwesen- und Bildungsarbeit eine sehr hohe Bedeutung. Empirische Studien zeigen ein differenziertes Bild, inwiefern soziales Gärtnern die vielen ihm zugeschriebenen Potentiale etwa in den Bereichen Inklusion/Integration, Bildung, Demokratie, Konfliktprävention tatsächlich einlösen kann. Dabei hemmen vor allem strukturelle Probleme die Entwicklung und volle Entfaltung dieser Initiativen.

Für den geographischen Raum der Stadt Graz gibt es noch keine grundlegende Aufarbeitung des sozialen Gärtnerns, obwohl sich diese Praxis bereits seit  2010 bzw. 2011 in Graz zunehmend ausbreitet (während davor Einzelinitiativen bestanden). Ein Diskurs, der zwar in internationalen Forschungsarbeiten auftaucht, jedoch kaum in Österreich (und damit auch in Graz) im Zusammenhang mit sozialem Gärtnern untersucht wurde, steht im Zusammenhang mit dem Konzept der „Ernährungsgerechtigkeit“ (Food Justice). Gerade angesichts der Covid-19-Krise, aber insbesondere auch vor dem Hintergrund der ökologischen Herausforderungen für die Lebensmittelproduktion (Klimakrise, Biodiversität etc.), stellt sich zunehmend die Frage der Zugänglichkeit zu ökologisch nachhaltig produzierten Lebensmitteln für gewisse, vor allem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen (z. B. Wissen und Preis). Ökologisch bewirtschaftete, urbane Gärten können einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelversorgung (Ernährungssicherheit im Sinne der Ernährungsgerechtigkeit) leisten. Dennoch wird ihre Bedeutung für das Gemeinwesen oft unterschätzt.

Das Forschungsprojekt setzt genau hier an. Es möchte aufbauend auf dem Verständnis, wie soziales Gärtnern in Graz praktiziert wird, aber auch unter Berücksichtigung der Praxis an anderen Orten, gemeinsam mit Stakeholdern in Graz (Praktiker*innen des sozialen Gärtnerns, politischen Vertreter*innen der Stadt sowie Verwaltung) Maßnahmen zur Förderung und Gestaltung von sozialem Gärtnern im Allgemeinen und im Zusammenhang mit Ernährungsgerechtigkeit im Speziellen entwickeln bzw. bestehende Maßnahmen weiterentwickeln.

Forschungszugang
Forschungsthema